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Iris Kammerer, Sappho und ihre Dichtung in der Deutung der Forschung des 20.Jh.s
Anhang 3: Die Entwicklung einer neuen Auffassung von Geschlechterdifferenz und Liebe in der Romantik

Vorbemerkungen - Anmerkungen zur Vorgehensweise

Im Folgenden soll der Versuch gemacht werden, einige der größeren Fragmente der Sappho auf einer soweit gesicherten Basis behutsam zu analysieren und zu interpretieren.
Grundlage ist:

  • die konsequente Vermeidung der als unangemessen bestimmten romantischen Auffassungen von Lyrik, Schönheit, Liebe und Geschlechterdifferenz1,
  • die Voraussetzung des Nachahmungsprinzips für den Produktionsvorgang anstelle des Authentizitätsaxioms2,
  • die Konzentration auf den vorhandenen Text unter kritischer Prüfung der bestehenden Konjekturen, wo sich das als nötig erweist, sowie
  • die kontrollierte Anwendung einzelner gesicherter Erkenntnisse aus anderen Forschungsgebieten auf die Deutung.

Auf der Basis dieser vier Grundregeln wurde versucht, vier der wichtigsten Gedichte der Sappho zu untersuchen und zu zeigen, dass ein anderer Ansatz, der nicht auf moderne Auffassungen zurückgreift, trotz aller Probleme, welche die erzwungenermaßen textimmanente Vorgehensweise mit sich bringt, durchaus akzeptable Ergebnisse hervorbringen kann.


Anmerkungen

  1. Zu den verschiedenen Problemen siehe auch Anhang 2 und Anhang 3! [zurück]
  2. Dieses Prinzip galt noch für Gottsched (siehe hier Anhang II, S. 142ff.!) und ergibt sich aus der Behandlung der aristotelischen Poetik. Da eine Untersuchung der aristotelischen Dichtungstheorie den Rahmen dieser Arbeit endgültig sprengen würde, verweist d. Verf. auf V. Cessi, Erkennen und Handeln in der Theorie des Tragischen bei Aristoteles, Wiesbaden 1986 (Beiträge zur Klassischen Philologie 180). Das Prinzip der Mimesis wird von Aristoteles im ersten Kapitel der Poetik für alle Dichtungsarten sowie die non-literalen darstellenden und bildenden Künste - um einen modernen, aber hier nicht ganz unpassenden Ausdruck zu gebrauchen - beansprucht (Aristot. Poet. 1447a13-16 für die Dichtungsarten, 18f. für die bildende Kunst, 26ff. für den Tanz). Aristoteles behandelt vorwiegend das Epos und vor allem die Tragödie, um an ihr exemplarisch die Prinzipien von Dichtung aufzuzeigen. Da schon der Tanz sowohl Charakter einer Person als auch ihre Handlungen und "Widerfahrnisse" darstellen soll (1447a27f.), muß das in jedem Fall auch für die poetischen Kleinformen angenommen werden. [zurück]

Anhang 1: [Vorbemerkungen] - [Fr.1 V.] - [Fr. 16 V.] - [Fr. 96 V.] - [Fr. 31 V.] - [Ergebnis]
Auszug: [Inhalt] - [Anhang 1] - [Anhang 2] - [Anhang 3] - [Synopsis]

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