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Tom Liehrs nicht ganz ernstzunehmender Berichte von meiner Lesung in der
Kurzbericht (sitze im Zug nach Berlin): Frauenaurach ist ein "Vorort" von Erlangen, beziehungsweise: Erlangen besteht aus solchen Orten, more or less. Jedenfalls kam ich gegen vier an, fuhr gleich in die Buchhandlung, um mit der überhaupt nicht aufgeregten Iris und Beate Laufer-Johannes, der Buchhändlerin, ein wenig zu quatschen. Dann wurde eingecheckt, um sechs gab’s Nudeln bei Beate, und um halb acht sind wir dann runter, in die wirklich hübsche Buchhandlung. Die ersten Eulen – Ronja nebst Begleitung – warteten schon, und dann kamen sie Schlag auf Schlag, Doc, Batty, Idgie ...
Es wurde auch gleich ein Fanblock gebildet; Beate begrüßte die Eulen gesondert. Um fast Punkt acht legte Iris dann los, coole Selbstvorstellung und ab die Post durch zwei Kapitel von Der Tribun – wohlfeil vorgetragen, Hut ab. Nach der Pause – die die Fans mit Fach- und persönlichen Fragen ausfüllten, ging’s dann an Die Schwerter, anschließend wurde weiterdiskutiert, über die Bücher, Iris’ Werdegang, Recherche, das Verlagswesen, Jungautoren und Nachwuchschancen. Um halb zehn war der Spaß dann offiziell vorbei; die Nordkurve hielt ihre vorbereiteten Plakate "Iris, wir lieben Dich", "Iris Superstar" und "Iris, ich will 1 Kind von Dir" in die applaudierende Runde, etwa fünfundzwanzig Leute. Die Eulen blieben und palaverten weiter, bis die Buchhändlerin so gegen halb zwölf die Segel strich.
Ermangels anderer Angebote wählten wir die Zwölf-Sterne-Kneipe Jumbos Café und Bistro – die einzige Kneipe in Frauenaurach, die noch offen war -, womit der Abend seinem eigentlichen Höhepunkt entgegenstrebte, denn bei Jumbo wurde Fasching gefeiert. Man hätte es eigentlich an der überlaut vorgetragenen Ballade von den Zehn nackten Friseusen merken müssen, aber wir saßen bereits und hatten schon die erste Bestellung aufgegeben, bis uns ein Licht aufging. Es war herrlich. Man verstand kein Wort, um uns herum die Crème der Frauenauracher High Society (mit T-Shirts wie "Thank god I’m not ugly"), und tatsächlich trugen ein oder zwei der Trinklinge auch Verkleidungs-Euphemismen. Insbesondere den Umkreis-Erlangern unter den Eulen war’s offensichtlich hochnotpeinlich. Also, Plan B: Ab in das Zentrum von Erlangen. Ronja "The Navigator" hatte einen Faltplan auf den Knien, weil sie es sonst nicht geschafft hätte, uns den wunderhübschen Ort Dechsendorf zu zeigen, nordöstlich von Erlangen und weit, weit von unserem eigentlichen Ziel entfernt. Cool ist’s da. Nach einem heftigen U-Turn auf der Landstraße und einigen kleineren Umwegen fanden wir schließlich das E-Werk, aus dem man uns gegen halb drei herauswarf. Worüber wir dort geschnackt haben, könnt Ihr Euch denken.
Ronja bot Iris und mir an, uns nach Frauenaurach zurückzufahren, wo wir logierten. Gegen meinen Protest schlug man aber wieder Richtung Dechsendorf ein, was wir uns zum zweiten Mal ansahen, und es wurde immer hübscher. Gegen drei landeten wir dann doch noch glücklich im Hotel. Iris hat vorhin noch vierzig Bücher signiert und ist auf dem Weg nach Nürnberg – und ich sitze im Zug nach Berlin. Es war sehr, sehr nett – und ich muß unbedingt nochmal nach Dechsendorf.
© 2005, Tom Liehr
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