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Wolf Haas: Wie die Tiere. Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 2001. ISBN 3489029614, Preis Eur 17,90.
Der dritte Roman um den schrulligen Ex-Kieberer und Privatdetektiv Brenner ist ein echt Wienerisches Produkt, bestens geeignet als Mitbringsel; denn in keinem Souvenir kann man diese Stadt als Konzentrat mit auf den Weg nehmen - nur in Wolf Haas' Liebeserklärungen an die österreichische Kapitale. Im Zentrum steht der Augarten, in dem die beiden Parteien, wo sich die Bevölkerung Wiens spaltet, feindlich gegenüberstehen: Hundebesitzer und Kinderbesitzer. Als einzelne Hunde durch mit Stecknadeln präparierte Hundekekse zu Tode kommen, fällt der Verdacht sogleich auf die Kinderbesitzer. Detektiv Brenner, derzeit wohnhaft über dem White Dog, einem Etablissement mit zweifelhaftem Ruf, macht sich auf die Suche nach dem Hundekiller. Noch während er recherchiert, beißt ein Hund einer Spendensammlerin im Dienste des Hundeschutzes die Kehle durch. Außerdem ist da noch die Frau Summer, die mit dem Geld aus der Erbschaft eines Hundes im alten Flakturm ein Refugium für dessen Artgenossen einrichten will, was die Kinderbesitzer gar nicht begrüßen - und nicht nur die. Und wenn sich dann am Ende der Mörder findet, dann war zwar wieder alles ganz anders, als der Brenner zuerst dachte, aber eigentlich hätte er die Indizien nur richtig deuten müssen, dann hätte er den Täter gleich gehabt. Doch darum geht es eigentlich gar nicht. In diesem "Krimi" wird die Handlung schon durch die Sprache zur Nebensache, durch diesen Plauderton, aus dem man den Wiener Schmäh heraushören kann, wenn man nur jemals einen einzigen von diesen alten Schwarzweißfilmen gesehen hat, in denen Wien eine Rolle spielt (Der Dritte Mann ausgenommen). Sprunghaft, stark an die Technik des stream of consciousness angelehnt, durchsetzt mit kolloquialen Ausdrücken, den Erzählfluß ständig mit bedeutungslosen Phrasen unterbrechend, aber dennoch distanziert und präzise beobachtend läßt Haas seinen Erzähler "den Brenner" verfolgen wie ein Privatdetektiv den anderen. Dabei entfaltet sich vor unseren Augen das Panorama dieser Stadt, wie es Haas' Erzähler sieht, eine pointierte Satire auf gutbürgerliche Behaglichkeit, das sogar in Zuhälterkreisen gepflegt wird. Wenn es einen Schriftsteller gibt, mit dem sich Wolf Haas vergleichen läßt, dann ist es Theodor Fontane, der in seinen Romanen der Spießigkeit ebenfalls sehr zweifelhafte Lorbeerkränze auf's Haupt setzte. [Zurück] © 2002 Iris Kammerer, Marburg - all rights reserved! |