Titel > Eingang > Literarisches > Der Tribun > Pressestimmen >

Christina Schulte, Westdeutsche Zeitung / Krefelder Zeitung vom 11.2.2005
Das Schreiben macht einen großen Teil im Leben der Krefelderin Iris Kammerer aus.
Krefeld. Kennen Sie das? Sie unterhalten sich mit einem Menschen, den es gar nicht gibt? Nicht, wie Sie vielleicht denken, in einem dahin gemurmelten Selbstgespräch. Gemeint ist die stumme Zwiesprache mit jemandem, der einem so peu è peu näher kommt, über den man schrittweise immer mehr erfährt. Eine Figur aus einem Buch. Das gibt es häufiger als gedacht, wird aber nur selten zugegeben. Wer will schon gerne als Naja! eigenartig angesehen werden?
Gaius Cinna jedenfalls ist so eine Person, die einem erst durch die Träume geistert und dann in imaginären Gesprächen auch mal antwortet. Dieser Römer, der sich vor bald 2000 Jahren durch die Wälder Germaniens trieb, ist ein Geschöpf der Schriftstellerin Iris Kammerer.
Sie stammt aus Krefeld, lebt in Marburg, und hat nun schon den abschließenden Teil ihrer Trilogie über den Tribun Gaius Cinna in Arbeit. Die Romane sind kurz nach der Zeitenwende in Germanien angesiedelt: Gaius ist ein junger, ehrgeiziger Römer bester Herkunft und will sich vor dem Hintergrund der Varus-Schlacht durch einen besonderen Auftrag auszeichnen. Doch gerät er in einen Hinterhalt und wird von Germanen gefangen. Anfangs glaubt er noch, man werde ihn befreien.
Doch dann gewöhnt er sich an das Leben bei den Cheruskern, an Hunger und Winterkälte, an Fischfang in vereisten Seen und barbarischen Hass, und so wächst bald in das von mancherlei Abhängigkeit geprägte germanische Leben hinein. Bald auch beginnt Gaius Cinna zu vergleichen. Im Gegensatz zwischen seinen Vorstellungen und dem Alltag im Hause eines Häuptlings liegt eine reizvoller Spannung.
Die römischen Götter stehen den Naturgöttern der Germanen gegenüber; das einfache Essen dem luxuriösen aus seinem Elternhaus im warmen Süden; das streng geordnete Leben einer römischen Garnison dem Gefüge eines Stammes; die Heilkünste einer weisen Frau dem medizinischen Wissen eines Römers. Über alle dies weiß die Autorin gut Bescheid und verarbeitet es auf ganz unangestrengte, kluge Weise.
Denn das ist ihr Anliegen: Sie hat eine Geschichte zu erzählen, die sie kenntnisreich ausschmückt. Es muss nämlich ein historischer Roman nach ihrer Meinung so geschrieben sein, dass er tatsächlich so hätte geschehen können. Und deswegen geht es darin auch um die anderen Dinge des Lebens, um Liebe, Treue, Freundschaft, um die Ehre und Familie. Dabei hält die Autorin sich an eine Regel, die die Lektüre so reizvoll macht: Schildere, was die Figuren erleben, aber deute nichts aus. Das Nachdenken über Ehre und Ruhm, Liebe und Schuld und auch das Nachdenken über die Geschichte überläßt sie ihrer Leserschaft.
Ihre Kenntnisse erwarb Iris Kammerer im Studium der Geschichte, Literatur und Archäologie. Außerdem liest sie gerne die alten Texte und recherchiert gründlich. Sobald der dritte Teil über Gaius Cinna abgeschlossen ist, arbeitet sie am nächsten Roman. "Ich habe mehrere Projekte", erzählt sie. "Vom Schreiben allein kann man ja nicht leben." Aber das Schreiben macht einen großen Teil ihres Lebens aus, der ihr enorm Freude bereitet.
© 2004 Iris Kammerer, Marburg / H.-J. Matthias, Westdeutsche Zeitung, Krefeld - all rights reserved!
Abdruck - auch in Auszügen - nur mit vorheriger Genehmigung der Verfasserin und des Verlags!
[Impressum]