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Neuerscheinung - Der Tribun

Kurt Oertel, Herdfeuer 4/04 (Zeitschrift des Eldaring e.V.), April 2004

Auszug des Artikels auf der Internetpräsentation des Eldaring e.V.

Der römische Tribun Gaius Cinna ist in dringender Geheimmission in den Wäldern Germaniens unterwegs. Er soll den Feldherrn Varus in letzter Minute vor einem Aufstand warnen, der ihn und seine Legionen gefährden könnte. Cinna erreicht sein Ziel nicht. Er wird von germanischen Kriegern abgefangen und dabei schwer verwundet.
Als er Tage später aus seiner Bewusstlosigkeit erwacht, ist die Varusschlacht bereits Geschichte und er selbst Gefangener in einer kleinen germanischen Siedlung. Um sein Überleben zu sichern und sein Los so erträglich wie möglich zu gestalten, ist Cinna gezwungen, die ihm fremde Umgebung schnellstmöglich zu durchschauen und zu verstehen.

Diese Ausgangslage ist ein geschickter Kunstgriff der Autorin, die so ein ungemein realistisches Panorama der germanischen Kultur entwickeln kann, ohne dabei in vordergründige Belehrung zu verfallen. So wie sich der Außenblick des römischen Offiziers, für den die Gegner anfangs nur unziviliserte Wilde sind, langsam zu einem Innenblick und zu differenziertem Kulturverständnis wandelt, so geht es parallel dazu auch dem Leser, der diesen Prozess ganz aus der Sicht der Titelfigur miterlebt. Das aber ist literarisch so gut in Szene gesetzt, dass es als Effekt gar nicht auffällt, denn hauptsächlich fesselt den Leser der ungemein spannende Fortgang der Handlung. Bald muss Cinna erkennen, dass Arminius auch unter den eigenen Landsleuten keineswegs unumstritten ist, und der Römer wird in die folgenden innergermanischen Auseinandersetzungen weit mehr mithineingezogen, als ihm in seiner rechtlosen Position lieb sein kann, wobei er mehr als einmal Grund hat, um sein Leben zu fürchten.

Iris Kammerer ist studierte Altphilologin mit Ausflügen in die Alte Geschichte und Archäologie, sie kennt also nicht nur die historischen Quellen im Original, sondern man merkt dem Buch an, dass sie auch die neuere wissensschaftliche Forschungsliteratur berücksichtigt hat. So entgeht sie auch der Versuchung, Arminius als Lichtgestalt und glühenden Freiheitskämpfer darzustellen. Er kommt hier eher als recht zwielichtige und bedrohliche Figur daher, zum einen natürlich deshalb, weil der Leser die Geschehnisse ausschließlich aus dem Blickwinkel des Gaius Cinna miterlebt, zum anderen aber auch, weil die Motive für den Verrat des Arminius an seinem Freund Varus von der heutigen Forschung eher in persönlichen Machtbestrebungen vermutet werden.

Zusammenfassend kann man den Roman nur als wahren Glücksfall bezeichnen. Hier stimmt einfach alles: Eine ungemein spannende Erzählung mit in jeder Hinsicht historisch korrekt recherchiertem Hintergrund. Und noch freudiger stimmt die Nachricht, dass eine Fortsetzung bereits in Vorbereitung ist.

Auszug des Artikels auf der Internetpräsentation des Eldaring e.V.


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© 2004 Iris Kammerer, Marburg / W. Heyne Verlag, München - all rights reserved!
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