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Roman
audentem fortuna iuvat
Der Film Gladiator hat unter historisch interessierten Menschen zu einer Diskussion über künstlerische Freiheit und die Verpflichtung zu historischer Korrektheit geführt. Viele schlossen sich der Ansicht an, beides sei unvereinbar, schon weil der Leser die historische Realität gar nicht wahrhaben wolle, sondern sich lieber mit einem Phantasiegebilde abspeisen ließe, das seinen Vorstellungen entspricht, daß es also für das geforderte Höchstmaß an historischer Genauigkeit kein Publikum gebe. Erst recht bestehe keine Möglichkeit Theorien bzw. Modelle zu historischen Ereignissen zu transportieren, sondern man könne diese Ereignisse bestenfalls lesertauglich kommentieren.
Umberto Eco hat diese Auffassungen mit seinem Roman Der Name der Rose widerlegt und damit einen internationalen Erfolg gezeitigt. Und auch meiner persönlichen Ansicht nach sind diese rigiden Auffassungen Unsinn. Im Grunde genommen läßt sich (fast) jede Idee transportieren - es kommt nur auf die Verpackung an. Mit anderen Worten: Ich halte es für durchaus möglich, den letzten Stand historischer, archäologischer, philologischer und kulturgeschichtlicher Forschung in einem Roman oder Film o.ä. zu transportieren, sofern das Transportmittel eine ansprechende und spannende Geschichte ist, getragen von lebendigen Charakteren.
Ich möchte mich nicht mit einem Meister wie Eco vergleichen - tatsächlich ist er mein Vorbild in der Einbindung historischer Genauigkeit und des aktuellen Forschungsstandes in ein lebendiges Bild der Zeit, die er schildert. Seine Romane zeigen, daß es ein breites Publikum für diese Art von Literatur gibt: das gesamte Spektrum vom durchschnittlichen Leser, der sich für Geschichte interessiert und gerne spannende Geschichten liest, bis hin zum gebildeten, der den sauberen Stil schätzt und die geschulte Narration, die Andeutungen versteht, die Recherche zu würdigen weiß, sich an der transportierten Theorie reibt oder ihr zustimmt ...
Der Tribun befaßt sich mit einem sogenannten Wendepunkt der römischen Geschichte, dem Ereignis, das die römische Expansion nach Zentraleuropa zum Stillstand brachte: die Vernichtung von 60% des Heeres, das unter dem Statthalter Varus im Nordosten der gallischen Provinzen stand, durch den später zum Volkshelden stilisierten Cherusker Arminius und die Konsequenzen dieses Ereignisses. Das Mittel, beide Perspektiven der Vorgeschichte, der Ursachen und Folgen zu zeigen, ist die Person eines römischen Stabsoffiziers, der unmittelbar vor der Katastrophe in Gefangenschaft gerät, aber selbst nicht zu den drei aufgeriebenen Legionen gehört. Allmählich, während der Gefangene immer mehr zu einem Teil der ihm zunächst fremden Kultur wird, wandelt sich der Außenblick zum Innenblick, erringt er sich zunehmend, wenn auch innerhalb der von den Regeln dieser Kultur gesteckten Grenzen, Möglichkeiten, sein Schicksal wieder in die eigenen Hände zu nehmen, um sich schließlich aus der anfangs aussichtslosen Lage zu befreien.
Teil dieser Entwicklung ist aufgrund der allmählichen Akkulturation die Entstehung von Bindungen wie Freundschaft, Liebe und schließlich sogar die wenn auch zunächst nicht legitimierbare Aufnahme in die Familie des Fürsten, dessen Gefangener er ist. Als ehemals hoher Offizier gerät er in den Brennpunkt des Interesses des Arminius und damit zwischen die Fronten stammesinterner, ja sogar familieninterner Konflikte, denn der älteste Sohn des Fürsten ist ein treuer Anhänger des Arminius.
Im Rahmen einer hier nicht näher darzustellenden Handlung werden dem Leser nicht nur die römische Provinzialpolitik und das Kriegswesen sowie deren Folgen für eroberte Völker nahegebracht, sondern auch die Kultur der Stämme, die gemeinhin unter dem Namen "Germanen" zusammengefaßt werden, und ihr damaliges Selbstverständnis, wie es in der neuesten Forschung dargestellt wird. Und das mit den Mitteln einer Geschichte, die selbst in den Augen von Autorenkollegen und Fachleuten der Kritik standhält.
Der Roman ist im April 2004 im Wilhelm Heyne Verlag, München, erschienen und in jeder gut sortierten Buchhandlung erhältlich. Bestellungen tätigen Sie bitte dort oder im Online-Buchhandel. Der Nachfolgeromen Die Schwerter des Tiberius wird im Dezember 2004 ebenfalls im Wilhelm Heyne Verlag, München, veröffentlicht. Für weitere Fragen wenden Sie sich bitte an die Literaturagentur Andreas Brunner (Wien, vormals Literarischen Agentur Diana Voigt).
I. Kammerer, Juli 2001 - Juli 2004
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