Kommende Verfilmungen der Varusschlacht

Das Jubiläumsjahr hat auch die Filmindustrie auf den Stoff aufmerksam gemacht. Derzeit arbeitet die deutsche Produktionsfirma Dreamtool Entertainment gemeinsam mit dem NDR an einer Verfilmung des Stoffes unter dem Titel Arminius, aber auch Hollywood setzt darauf: Die 20th Century Fox castet gerade für eine 100 Mio. Dollar schwere Produktion namens Empire of Crows.

Bedauerlicherweise haben sich beide Produktionen die gleiche Perspektive zu eigen gemacht: Dreamtools stellt das Schicksal des Freiheitskämpfers Arminius in der Auseinandersetzung mit seinem alten besten Freund  und nun Todfeind Germanicus in den Vordergrund, und die Logline des Fox-Streifens tönt martialisch: »One man dared to challenge an empire.« Die Hermannslegende des deutschen Nationalismus feiert also wieder fröhliche Urstände, als hätte es die Forschung der letzten 40 Jahre nicht gegeben.

Konkret heißt es in der Kurzbeschreibung zu Arminius (Tagline: »Er war Römer. Er war Germane. Er wurde eine Legende.«):

»Historisches Drama über die Schlacht am Teutoburger Wald. Der Fürstensohn Arminius wird an der römischen Militärschule ausgebildet und nach tapferem Einsatz in der Schlacht römischer Ritter und Freund des Nero Claudius. Als der Senat die germanische Unterwerfung beschließt, vereint Arminius, zwischen seiner Identität als Cherusker und Römer hin und her gerissen, die verfeindeten germanischen Stämme, lockt die römischen Legionen in einen Hinterhalt im Teutoburger Wald und besiegt sie. Claudius dringt mit acht Legionen nach Germanien ein, aber der Kampf zwischen den Jugendfreunden bleibt unentschieden. Daraufhin befiehlt Claudius, die schwangere Frau des Arminius zu entführen …« (Quelle: FilmFernsehFonds Bayern, Bericht Oktober 2008)

O heilige Einfalt, das klingt wahrhaftig nach einem Schlacht- und Schmachtfetzen ganz im Stil der nationalistischen Hermannslegende des 19. und 20. Jahrhunderts! ;-)

Von Fox hingegen erwartet man von vornherein nichts anderes einen klassischen monumentalen Sandalenschinken à la Gladiator, in dem es mit der Historie nicht so genau genommen wird, sondern Ausstattung und Special Effects den Ausschlag geben. Und schon beim Lesen der Logline sieht man förmlich das Blut spritzen:

»When a German born Roman Commander returns home to find his people suffering beneath Rome’s domination he is forced to choose between the Empire that gave him purpose and the nation that gave him life.« (Quelle: Fox Casting and Finders Group)

Das Ende der Bush-Ära wirft also auch in Hollywood ideologische Schatten …

Aber da Kino Entertainment ist, bin ich im Grunde froh, wenn monumentale Sandalenschinken das Interesse aufs Thema lenken, sodass danach eine differenziertere Beschäftigung mit anderen Sichtweisen zumindest möglich ist. Schließlich muss ein Film zunächst an den Kinokassen die Produktionskosten einspielen.

Wie das allerdings gelingen soll, wenn zwei Filme mit gleichem Thema, und gleicher Sichtweise aber dramatisch unterschiedlichem Budget im selben Jahr antreten, ist mir schleierhaft.

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